Psychologie bei der Innenarchitektur

Sanguine und Choleriker sind Menschen, die sich nicht vorstellen können, aus einem aktiven, fieberhaften Leben auszusteigen, ohne ständig mittendrin zu sein. Ein Choleriker ist sensibler als ein Sanguiniker. Seine Aktivität und Dynamik gehen oft in Impulsivität über, die Schwierigkeiten bei systematischem, zielorientiertem Handeln verursacht. Sanguine und Choleriker können nicht rückschrittlich und konservativ sein, weshalb die Innenarchitektur für sie die kühnsten stilistischen Lösungen – von Urbanismus und Hi-Tech bis hin zu avantgardistischem Eklektizismus – begrüßt. Eine harmonisierende Art der Inneneinrichtung für einen sanguinischen Menschen setzt ein Höchstmaß an flexibler Planung und große Freiräume voraus. Die optimale Variante in der Dekorationsfarbpalette sind warme und helle Farben, zum Beispiel weiche Orange- und Gelbtöne. In der Regel bevorzugen Sanguiniker und Choleriker kompakte modulare Möbel von strengem, aber gleichzeitig elegantem Design. Das anregende Interieur kann das eher beständige sanguinische Temperament entweder auf den cholerischen Typus oder umgekehrt auf den ruhigeren und sich langsam bewegenden phlegmatischen Typus verlagern. Im ersteren Fall liegt der Schwerpunkt in der Farbpalette der Raumdekoration auf dem Spiel der Kontraste, z.B. die Terrakotta-Farbe, die für eine sanguinische Person harmonisierend wirkt, passt zu einem satten Rot oder Schwarz.

Umgebende Gegenstände und Möbel aus Glas und vernickeltem Stahl verstärken die Wirkung. Letzteres setzt voraus, dass sich die Hauptfarbpalette in den kalten Teil des Spektrums verschiebt und die gesamte Stilistik der Räumlichkeiten auf die immer jüngeren Klassiker verlagert.

Und für einen Choleriker wird das harmonisierende Interieur in seiner reinen Form, das sein aufbrausendes Temperament unterstützen soll, kaum gerechtfertigt sein. Das anregende Interieur mit seiner Hauptaufgabe, die Psyche des allzu erregbaren Cholerikers auszubalancieren, ist nach den gleichen Prinzipien geformt wie das aufweichende Interieur für einen Sanguiniker, mit dem einzigen Unterschied, dass der Farbeinfluss hier ausdrucksstärker ist.

Räume für unterschiedliche Bedürfnisse schaffen

Phlegmatiker und Melancholiker sind den Sanguinikern und Cholerikern völlig entgegengesetzt. Ihr Lebenscredo ist Ruhe, Stabilität, Praktikabilität gegenüber der Außenwelt und das völlige Fehlen radikaler Veränderungen. Von Natur aus ist ein Phlegmatiker ein verzweifelter Konservativer, der ein Faible für allgemein anerkannte Standards hat, während ein Melancholiker sich auf seine Innenwelt konzentriert oder psychologisch gesehen ein völliger Introvertierter ist. Wenn man Vertretern jedes psychologischen Typs erlaubt, ihre Häuser so einzurichten, wie es ihnen gefällt, wird das Haus des Phlegmatikers wie ein Antiquitätenladen aussehen, das Haus des Melancholischen wie ein Künstleratelier. Wenn man dies in Betracht zieht, kann man die Grundtendenzen bestimmen, für sie ein harmonisierendes und stimulierendes Interieur zu entwickeln. Die Farbpalette zeichnet sich durch das Vorherrschen gedimmter heller und dunkler Töne aus, und das Innere des Melancholischen wird sich der Dekoration mit origineller Textur oder Ornament anpassen. Eine stimulierende Wirkung kann man erreichen, indem man die Hauptfarbpalette mit wärmeren und lebendigeren Farben auflöst und ein wenig Eklektizismus in den Raum einführt.

Und schließlich sollte man bei der Gestaltung eines psychologisch orientierten Interieurs für einen Menschen mit gemischtem Temperament von Anfang an festlegen, welche Merkmale der Gefühlssphäre eines Mannes aktiviert und welche davon reduziert werden müssen. Sehr oft ist es dazu nicht notwendig, eine groß angelegte Wohnungsumplanung zu beginnen. Manchmal reicht es aus, einen anregenden Bereich in irgendeinem Teil der Räumlichkeiten, zum Beispiel am Arbeitsplatz, zu wählen. Eine harmonisierende Ecke sollte zur Erholung und Entspannung – im Schlafzimmer oder im Wohnzimmer – eingerichtet werden.

Über Jana Junker 7 Artikel
Ich bin Organisationspsychologin bei der Gesundheits- und Arbeitsschutz-Behörde, bei der ich landesweit das Programm für psychische Gesundheit am Arbeitsplatz beobachte. Dies bedeutet die Entwicklung und Förderung von Instrumenten - Verhaltenscodex, Berichte, Forschung und Beratung -, die in europäischen Organisationen eingesetzt werden sollen, um gesündere und sicherere Arbeitsplätze und hoffentlich glücklichere und leistungsfähigere Menschen zu fördern.

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